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Ribollita — die toskanische „aufgekochte" Brot-Bohnen-Suppe mit Schwarzkohl
Italien · Suppen · Vegan

Ribollita — die toskanische „aufgekochte" Brot-Bohnen-Suppe mit Schwarzkohl

Ribollita ist eine dicke toskanische Suppe aus Cannellini-Bohnen, Schwarzkohl (Cavolo nero) und altbackenem Brot, eines der zentralen Symbole der *cucina povera* (Armeleute-Küche). Der Name bedeutet wörtlich „**wieder aufgekocht**" (vom italienischen *ribollire*), und genau das ist der Sinn des Gerichts: Es entsteht aus Resten. Für deutsche Leserinnen und Leser knüpft die Ribollita natürlich an unsere eigene Tradition der Brotsuppe und des Eintopfs an — jene Resteküche, in der altbackenes Brot nie weggeworfen wird und das Gericht am nächsten Tag aufgewärmt besser schmeckt. Ursprünglich kochten toskanische Bauern zu Wochenbeginn eine einfache Gemüsesuppe namens *minestra* und wärmten am nächsten Tag die Reste mit altbackenem Brot auf — so wurde aus der Minestra die Ribollita. Das Paradox des Gerichts: Es wird besser, je länger es steht und je öfter es aufgekocht wird. Am ersten Tag ist es noch eine *minestra di pane* (eine flüssigere Brotsuppe); am zweiten, nach dem Aufkochen, wird es zur echten Ribollita, dicht und fast halbfest. Die Wurzeln reichen ins Mittelalter, in die Ebene von Pisa und die Länder von Arezzo und Florenz, wo es die wichtigste Winternahrung der Ärmsten war. Die drei unverhandelbaren Elemente sind Cannellini-Bohnen, Cavolo nero und salzloses toskanisches Brot (*pane sciocco*), das binnen eines Tages altbacken wird. Traditionell soll der Cavolo nero „den Frost genommen" haben, was seine Blätter süßer und zarter macht. Schlüsseltechniken: die Hälfte der Bohnen pürieren für eine cremige Basis ohne Sahne, das altbackene Brot mit den Händen zerreißen und Kartoffel plus Brot als doppeltes Bindemittel verwenden, bis eine dichte Konsistenz erreicht ist. Ergibt 6 Portionen in etwa 2 Stunden aktiver und Kochzeit. Am besten am nächsten Tag, heiß über knoblauchgeriebenem Röstbrot serviert, mit einem großzügigen Schuss nativem Olivenöl extra und einem Glas Chianti.

120 Min 280 kcal 6 Pers Anspruchsvoll🌱Vegan🇮🇹Italien★★★★★5.0· 1 Bewertungen

Zutaten

PortionenMetrisch
  • 250 gCannellini-Bohnen
  • 300 gCavolo nero
  • 200 gWirsing
  • 250 galtbackenes Brot
  • 2 Kartoffeln
  • 1 gelbe Zwiebel
  • 2 Karotten
  • 2 Stangen Sellerie
  • 3 ZehenKnoblauch
  • 400 gganze Tomaten aus der Dose
  • 1.5 lGemüsebrühe
  • 5 ELnatives Olivenöl extra
  • 1 ZweigRosmarin
  • 2 ZweigThymian
  • 1 TLSalz
  • ½ TLschwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Bohnen einweichen und kochen. Am Abend zuvor 250 g getrocknete Cannellini-Bohnen mit reichlich kaltem Wasser bedecken und über Nacht einweichen. (Wenn die Zeit knapp ist, die Schnellmethode: mit kochendem Wasser übergießen und 1 Stunde stehen lassen.) Abgießen, dann in frischem Salzwasser mit einer halbierten Zwiebel, einer Knoblauchzehe und einem Thymianzweig etwa 45 Minuten köcheln, bis sie gerade weich, aber nicht zerfallen sind. Abgießen und **das Kochwasser auffangen** — dieses stärkehaltige Wasser kommt zurück in die Suppe und gibt Textur. Bei Dosenbohnen 2 Dosen (etwa 800 g abgetropft) verwenden und diesen Schritt überspringen, aber dann fehlt die Bohnenbrühe.
  2. Das Soffritto zubereiten. 1 Zwiebel, 2 Karotten und 2 Stangen Sellerie fein hacken. 4 Esslöffel natives Olivenöl extra in einem großen schweren Topf bei mittlerer Hitze erhitzen und das Gemüse mit einer Prise Salz dazugeben. 8-12 Minuten unter häufigem Rühren garen, bis es weich wird, goldene Farbe annimmt und sich am Topfboden eine goldbraune Kruste bildet (Fond). Diese Kruste ist das Geschmacksfundament. In der letzten Minute 3 gehackte Knoblauchzehen und den Rosmarin dazugeben, bis es duftet.
  3. Tomaten und Kartoffeln dazugeben. 400 g ganze Dosentomaten mit den Händen zerdrücken und mit ihrem Saft in den Topf geben, zusammen mit 2 geschälten und gewürfelten Kartoffeln. Mit Salz und Pfeffer würzen und 5 Minuten unter Rühren garen, damit die Tomaten ihre rohe Schärfe verlieren und sich Soffritto und Tomate verbinden. Die Kartoffel ist nicht für den Geschmack — sie ist ein zweites Bindemittel, das zusammen mit dem Brot der Ribollita ihre dichte, halbfeste Textur gibt.
  4. Das Blattgemüse dazugeben. Die Cavolo-nero-Blätter von ihren harten Stielen befreien und grob hacken (300 g). Einen halben kleinen Wirsing in Streifen schneiden (200 g). Beides in den Topf geben — es wird zu viel aussehen, aber es fällt stark zusammen. 4-5 Minuten rühren, bis das Grün in der Suppe zusammenfällt.
  5. Die Hälfte der Bohnen pürieren, dann die Suppe aufbauen. Die Hälfte der gekochten Cannellini-Bohnen mit 2 Tassen ihres aufgefangenen Kochwassers (oder Brühe) glatt pürieren — das schafft die samtige Basis ohne jede Sahne. Das Bohnenpüree und die restlichen ganzen Bohnen in den Topf geben, zusammen mit dem Thymian. Gemüsebrühe (insgesamt etwa 1,5 l Flüssigkeit) angießen, um alles großzügig zu bedecken — man braucht reichlich, weil das Brot viel davon aufsaugt. Zum Kochen bringen, die Hitze reduzieren, abdecken und etwa 1 Stunde 30 Minuten köcheln, bei Bedarf Wasser nachgießen, wenn es zu dick wird.
  6. Das Brot dazugeben (Tag eins). 250 g altbackenes salzloses Brot mit den Händen in grobe Stücke reißen — nicht mit dem Messer schneiden, gerissenes Brot löst sich besser in der Suppe auf. Das Brot in den Topf rühren und weitere 10-15 Minuten köcheln, bis es zu zerfallen beginnt. An diesem Punkt haben Sie *minestra di pane* — eine flüssige Brotsuppe, die schon gut ist. Abschmecken und mit Salz und Pfeffer abstimmen. Sie können sie jetzt essen, aber für echte Ribollita machen Sie den nächsten Schritt.
  7. Wieder aufkochen (Tag zwei). Die Suppe abkühlen lassen, dann über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag werden sich die Aromen vertieft haben und das Brot die Suppe erheblich verdickt haben. Bei mittlerer Hitze aufwärmen, dabei Wasser oder Brühe zugeben, um sie auf eine Suppenkonsistenz (oder dicke halbfeste Masse, nach Geschmack) zu bringen, und sie wieder sanft aufkochen lassen — das ist das *ribollire*, das Wiederaufkochen, das dem Gericht seinen Namen und Charakter gibt. Abschmecken und nachsalzen; wiederaufgekochte Suppe braucht oft etwas mehr Salz.
  8. Servieren. 1-2 Scheiben mit rohem Knoblauch eingeriebenes Röstbrot in jeden Suppenteller legen, dann die heiße Ribollita darüber schöpfen. Jeden Teller mit einem großzügigen Schuss guten nativen Olivenöls extra abschließen — idealerweise einem pfeffrigen toskanischen — und einigen Umdrehungen schwarzem Pfeffer. Das Olivenöl ist nicht optional; es ist Teil des Gerichts. Heiß servieren, mit extra Knoblauch-Röstbrot beiseite für den Biss und einem Glas Chianti. Aus sehr dicken Resten Frikadellen formen und in Olivenöl anbraten, um *ribollita refritta* zu machen.

Fragen

Ribollita ist eine dicke toskanische Suppe aus Cannellini-Bohnen, Schwarzkohl (Cavolo nero) und altbackenem Brot, eines der Hauptsymbole der *cucina povera* (Armeleute-Küche). Der Name übersetzt sich wörtlich als „**wieder aufgekocht**" (vom italienischen *ribollire*), und das ist kein Zufall, sondern das Wesen des Gerichts: Ribollita entsteht aus Resten. Für deutsche Leserinnen und Leser knüpft sie an unsere Brotsuppe und den Eintopf an, die am nächsten Tag besser schmecken. Ursprünglich kochten toskanische Bauern zu Wochenbeginn eine einfache Gemüsesuppe namens *minestra* und wärmten am nächsten Tag die Reste mit altbackenem Brot auf — so wurde aus der Minestra die Ribollita. Das Paradox des Gerichts: Es wird besser, je länger es steht und je öfter es aufgekocht wird. Am ersten Tag ist es noch eine *minestra di pane* (eine flüssigere Brotsuppe); am zweiten, nach dem Aufkochen, ist es schon echte Ribollita. **Geschichte:** Die Wurzeln reichen ins Mittelalter, in die Ebene von Pisa und die Länder von Arezzo und Florenz. Es war die Hauptnahrung der ärmsten Schichten der toskanischen Bevölkerung — ein winterliches, wärmendes, sättigendes Gericht, ein direkter Nachkomme der Gemüse-Brot-Suppe. **Rolle in der Cucina povera:** Ribollita ist ein Modell der Philosophie des „Nichts verschwenden", bei der sogar altbackenes Brot (und das toskanische *pane sciocco*, salzlos, wird binnen eines Tages altbacken) zur Basis eines neuen Gerichts wird. Traditionell soll der Cavolo nero „den Frost genommen" haben (*preso il ghiaccio*) — ein leichter Winterfrost macht die Blätter süßer und zarter. **Regionaler Kontext:** Ribollita ist ein florentinisch-toskanisches Gericht, verwandt mit anderen toskanischen Brotsuppen (Pappa al pomodoro, Panzanella). Es gibt kein einziges „offizielles" Rezept — jede Nonna hat ihr eigenes, und die Zusammensetzung bestimmte, was gerade da war. Aber drei Elemente sind unverhandelbar: Cannellini, Cavolo nero und salzloses Brot. **Kuriöses Detail:** In Enotecas (Weinbars) findet man die *ribollita refritta* — Ribollita-Reste, so dick, dass man sie wie einen Pfannkuchen in Olivenöl brät.

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