Lachs ist der Fisch, den sich fast jeder zu kaufen traut, und der Fisch, den fast jeder zu lange gart. Von seidig zu trocken dauert es etwa neunzig Sekunden, und zurück geht es nicht mehr. Alles Folgende dreht sich um dieses eine Problem.

Wann man aufhören muss

Lachs ist fertig, lange bevor er fertig aussieht. Nimm ihn bei 50 bis 52 °C Kerntemperatur heraus, wenn du ihn saftig magst, bei etwa 55 °C, wenn er fester sein soll: Beim Ruhen steigt die Temperatur noch ein paar Grad. Ohne Thermometer drückst du oben aufs Filet. Wenn sich die Lamellen gerade zu trennen beginnen und die Mitte noch leicht glasig aussieht, ist es so weit. Das Weiße, das austritt, ist Albumin, ein Eiweiß, das die Hitze herauspresst. Ein wenig davon ist normal. Viel heißt: zu heiß, zu lange oder beides.

Zuchtlachs hat mehr Fett im Muskel und verzeiht eine Minute zu viel. Wilder Rot- und Silberlachs ist magerer und verzeiht sie nicht. Nimm dicke Stücke aus der Mitte, denn ein auslaufendes Schwanzstück gart immer ungleichmäßig.

Der Ofen, für unter der Woche

Backen ist die gutmütigste Methode: kein Rauch, kein Wenden, kein Rätselraten, wo die Pfanne am heißesten ist. 190 °C und 12 bis 15 Minuten reichen für die meisten Filets; ein 2,5 cm dickes Stück braucht etwa dreizehn. Kräftig würzen, dünn einölen und herausnehmen, solange du noch zweifelst, ob es schon gar ist.

Gebackener Lachs

Eine Glasur, und wann sie Hitze braucht

Eine Glasur kann, was reines Braten nicht kann: Sie bleibt am Fisch haften. Butter, Knoblauch, Honig und Sojasauce, vor dem Backen über das Filet gelöffelt, am Ende zwei bis drei Minuten unter den Grill. Das Timing ist der ganze Trick. Honig, der eine Viertelstunde bei Backofenhitze steht, wird bitter und schwarz; Honig, der neunzig Sekunden unter einen heißen Grill kommt, wird Karamell.

Honig-Knoblauch-Lachs

Dieselbe Idee mit braunem Zucker und schärferer Karamellkante: Lachs mit braunem Zucker. Mit Kokosmilch und Limette: Lachs auf thailändische Art.

Das Filet von gestern, gerettet

Kalter gegarter Lachs in der Mikrowelle ist trostlos: trockener Fisch, harter Reis, ein Geruch in der ganzen Küche. Die Bowl, die durchs Netz ging, löst das mit einem Eiswürfel. Den Lachs über warmem Reis zerpflücken, einen Eiswürfel obendrauf, ein Blatt Nori wie einen Deckel über die Schüssel legen und eine Minute erhitzen. Das Eis wird unter dem Nori zu Dampf und feuchtet alles wieder an, statt es auszutrocknen. Darüber eine Sauce aus Kewpie-Mayonnaise, Sojasauce und Sriracha.

Lachs-Reis-Bowl

Roh, wenn der Fisch stimmt

Poke ist das Gegenteil: roher Lachs in Würfeln, kurz mit Sojasauce, Sesamöl und Frühlingszwiebel gewürzt, kalt über Reis serviert. Zwei Regeln halten es gut. Nur Lachs verwenden, der als Sushi- oder Sashimi-Qualität verkauft wird, und zwar von jemandem, dem du vertraust. Und nur 15 bis 20 Minuten marinieren, nicht länger. Sojasauce und Essig garen rohen Fisch so, wie Limette es im Ceviche tut: nach einer halben Stunde wird der Lachs fest und undurchsichtig statt seidig.

Lachs-Poke-Bowl

Wenn dir roher Fisch unheimlich ist, der Geschmack aber gefällt, fang mit Lachs-Ceviche an, wo Zitrussaft die Arbeit übernimmt.

Ein Filet, gestreckt

Lachsfrikadellen macht man, wenn ein Filet vier Leute satt machen soll. Der Fisch wird gehackt oder durchgedreht, mit Ei, Semmelbröseln und Zwiebel gebunden und knusprig gebraten. Gegarte Reste funktionieren genauso, und anders als ein aufgewärmtes Filet sind Frikadellen am zweiten Tag so gut wie am ersten.

Lachsfrikadellen

Wenn Gäste kommen

Knuspriger Reis mit scharfem Lachs sieht nach Restaurantarbeit aus und ist keine. Der Reis wird gepresst, gekühlt, in Blöcke geschnitten und frittiert, bis die Außenseite kracht, obendrauf kommt scharfer Lachs. Das Kühlen ist Pflicht: warmer Reis zerfällt im Öl.

Knuspriger Reis mit scharfem Lachs

Zur Haut

Knusprige Haut braucht drei Dinge: eine trockene Oberfläche, eine wirklich heiße Pfanne und Geduld. Haut mit Küchenpapier trocken tupfen, salzen, nach unten legen und vier Minuten nicht bewegen. Wenn der Fisch ohnehin zerpflückt in eine Bowl oder einen Salat wandert, brate ihn mit der Haut nach oben und gib die Haut dem, der sie mag.

Aufbewahren

Gegarter Lachs hält sich zwei Tage im Kühlschrank und ist kalt besser als aufgewärmt: zerpflückt in einen Salat, eine Reis-Bowl oder in Onigiri. Rohen Lachs am Kauftag garen oder am Kauftag einfrieren. Und wenn von einem ganzen Fisch Kopf und Schwanz übrig sind: daraus wird Ucha, die russische Fischsuppe, die es genau deshalb gibt, weil diese Teile zu schade zum Wegwerfen sind.