
Vanillekipferl
Vanillekipferl sind kleine, halbmondförmige Mürbeteigplätzchen mit gemahlenen Mandeln, die noch warm in Vanillezucker gewälzt werden. Erfunden wurden sie in Wien, heute fehlen sie in keiner Plätzchendose zwischen Flensburg und Graz. Der Teig kommt ohne Backpulver aus und enthält nur zwei Eigelb, deshalb ist die Krume sandig und zergeht auf der Zunge, statt zu knuspern. Die 75 Minuten umfassen Kneten, Formen und drei Bleche im Ofen; dazu kommt eine Stunde Kühlzeit vor dem Formen, und am besten schmecken die Kipferl nach zwei bis drei Tagen in der Dose. Ergibt etwa 60 Stück, fünf pro Portion.
Zutaten
- 280 gWeizenmehl (Type 405)
- 100 ggemahlene Mandeln, blanchiert
- 80 gPuderzucker
- 1 PriseSalz
- 1 Vanilleschote
- 220 gkalte Butter
- 2 Eigelb (Größe M)
- 80 gPuderzucker zum Wälzen
- 16 gVanillezucker (2 Päckchen)
Zubereitung
- Trockene Zutaten mischen. Mehl, Mandeln, die ersten 80 g Puderzucker und das Salz in eine weite Schüssel geben. Die Vanilleschote längs aufschneiden, das Mark mit dem Messerrücken herauskratzen und mit den Fingerspitzen unter das Mehl reiben, damit es keine Klümpchen bildet. Die leere Schote aufheben: Sie kommt später ins Zuckerglas.
- Den Teig zügig zusammenbringen. Die kalte Butter in 1 cm große Würfel schneiden und mit den Eigelben zugeben. Alles 2 bis 3 Minuten mit den Händen verreiben und zusammendrücken, nur bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist und der Teig als ein Stück zusammenhält. Dann aufhören. Jede weitere Minute erwärmt die Butter, und warme Butter macht den Teig fettig und lässt die Kipferl im Ofen breitlaufen.

- Kühlen. Den Teig halbieren, jede Hälfte zu einer etwa 3 cm dicken Rolle formen, einwickeln und mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank legen, gern auch über Nacht. Erst die Kälte sorgt dafür, dass sich die Kipferl biegen lassen, ohne zu reißen, und in der Hitze ihre Form behalten.
- Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (160 °C Umluft) vorheizen. Zwei bis drei Bleche mit Backpapier belegen. Die zweiten 80 g Puderzucker mit dem Vanillezucker in einem flachen Teller mischen und neben den Herd stellen.
- Formen. Eine Rolle aus dem Kühlschrank nehmen, die andere drinlassen. In 1 cm dicke Scheiben schneiden, jede etwa 10 g schwer. Jede Scheibe unter den Fingern zu einem 5 bis 6 cm langen Röllchen mit dünneren, spitz zulaufenden Enden rollen und direkt auf dem Blech zum Hörnchen biegen, mit 2 cm Abstand. Reißt der Teig beim Biegen, ist er zu kalt: das Stück ein paar Sekunden in der Handfläche halten. Klebt und schmiert er, ist er zu warm: 10 Minuten zurück in den Kühlschrank.

- Blech für Blech auf der mittleren Schiene 11 bis 13 Minuten backen. Die Kipferl müssen hell bleiben: Nur die Spitzen dürfen zart golden werden. Gebräunte Vanillekipferl schmecken nach gerösteten Nüssen und verlieren genau das Zarte, für das man sie backt.
- Im richtigen Moment zuckern. Das Blech 2 bis 3 Minuten stehen lassen. Direkt aus dem Ofen zerbrechen die Kipferl bei der kleinsten Berührung, nach zehn Minuten haftet der Zucker nicht mehr. Dann portionsweise vorsichtig im Vanillezucker wälzen oder, wenn sie sich zerbrechlich anfühlen, auf dem Blech dick mit dem Zucker besieben. Auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen, noch einmal bestäuben und mit Backpapier zwischen den Lagen in eine Dose schichten.

Fragen
Sie waren entweder zu heiß oder wurden zu fest angefasst. Direkt aus dem Ofen ist die Butter in der Krume noch flüssig, das Plätzchen hat keine Struktur und bricht an der dünnsten Stelle, meist an den Spitzen. 2 bis 3 Minuten warten, bis sich ein Kipferl mit zwei Fingern anheben lässt, ohne sich zu biegen, und dann immer nur drei oder vier auf einmal in einem flachen Teller wälzen. Fühlt sich ein Blech trotzdem zerbrechlich an, die Kipferl liegen lassen und den Zucker durch ein feines Sieb darüberstäuben; die Unterseite bekommt etwas weniger ab, dafür bleibt jedes Hörnchen ganz.
Der Teig war zu warm, als er in den Ofen kam. Länger als 2 bis 3 Minuten kneten, mit warmen Händen formen oder das fertige Blech in der heißen Küche stehen lassen: All das weicht die Butter auf, und sie läuft aus, bevor das Mehl fest geworden ist. Die zweite Rolle im Kühlschrank lassen, während die erste geformt wird, und bei warmer Küche das belegte Blech vor dem Backen 10 Minuten kalt stellen. Zu viel Zucker oder Butter nach Augenmaß hat dieselbe Wirkung, deshalb beides abwiegen.
Ja, Gramm für Gramm austauschen. Gemahlene Haselnüsse ergeben ein dunkleres, kräftigeres Kipferl, das viele Familien sogar lieber mögen; Walnüsse sind in Teilen Österreichs und Böhmens die traditionelle Wahl und machen die Krume noch mürber, weil sie mehr Öl enthalten. Die Nüsse fein mahlen, aber aufhören, bevor sie schmierig werden, und den Teig mit Walnüssen 30 Minuten länger kühlen. Für eine Variante ohne Nüsse die Nussmenge durch die gleiche Menge Mehl plus 20 g Speisestärke ersetzen; der Geschmack ist schlichter, die Textur stimmt.
In einer Blechdose an einem kühlen Ort halten sie 3 bis 4 Wochen, und am dritten Tag schmecken sie besser als am ersten. Für sich allein lagern: Neben Zimtsternen oder Lebkuchen ziehen sie Feuchtigkeit und Gewürzaroma und werden weich. Der rohe Teig lässt sich als eingewickelte Rollen bis zu 3 Monate einfrieren; über Nacht im Kühlschrank auftauen und wie gewohnt schneiden. Auch gebackene Vanillekipferl kann man einfrieren, dann aber ohne Zuckerhülle, und sie nach ein paar Minuten bei 150 °C im Ofen frisch im Vanillezucker wälzen.
Vanillekipferl sind ein Butter-Mürbeteig: Mehl, Butter, Nüsse, fast kein Ei, von Hand geformt und in Vanillezucker gehüllt. Zimtsterne sind das Gegenteil, ein mehlfreier Teig aus Mandeln und Eischnee mit weißer Glasur; Lebkuchen sind Honig-Gewürz-Gebäck, Spekulatius dünne Gewürzkekse aus dem Model. Auf dem Bunten Teller liegen sie nebeneinander, dazu ein Becher Glühwein. Das Kipferl ist von allen am schnellsten gemacht und am schnellsten weg.
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