
Spekulatius
Spekulatius sind dünne, knusprige Mürbeteigplätzchen mit Gewürzen, die vor dem Backen ein Bild eingeprägt bekommen; in den Niederlanden und Belgien heißen sie Speculaas, im Rheinland und in Westfalen werden sie zum Nikolaustag am 6. Dezember gebacken. Der Teig ist ein gerührter Butterteig mit einer selbst gemischten Gewürzmischung aus Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat, Ingwer, Piment und weißem Pfeffer, dazu gemahlene Mandeln für die kurze, sandige Krume. Traditionell stammt das Motiv von einem geschnitzten Holzmodel, aber eine Spekulatiuswalze oder ein ganz normaler Plätzchenausstecher ergeben dasselbe Gebäck, ohne dass man ein Model besitzen muss. Die 60 Minuten hier umfassen Teig kneten, formen und zwei Bleche im Ofen; der Teig selbst braucht eine Nacht im Kühlschrank, und richtig knusprig werden die Plätzchen erst beim Auskühlen. Ergibt etwa 45 dünne Plätzchen, fünf pro Portion.
Zutaten
- 300 gWeizenmehl
- 60 ggemahlene Mandeln
- 5 gBackpulver
- 1 PriseSalz
- 6 ggemahlener Zimt
- 1.5 ggemahlene Gewürznelken
- 1.5 ggemahlener Kardamom
- 1.5 ggeriebene Muskatnuss
- 1 ggemahlener Ingwer
- 1 ggemahlener Piment
- 0.5 ggemahlener weißer Pfeffer
- 1 TLZitronenschale
- 150 gButter
- 125 gbrauner Zucker
- 1 Ei
- 15 mlMilch
Zubereitung
- Gewürzmischung und trockene Zutaten mischen. In einer kleinen Schüssel Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat, Ingwer, Piment und weißen Pfeffer verrühren: Das ist euer Spekulatiusgewürz, und frisch gemischt riecht es deutlich klarer als eines, das seit letztem Weihnachten im Glas steht. In einer großen Schüssel diese Gewürzmischung mit Mehl, gemahlenen Mandeln, Backpulver und Salz verrühren.

- Butter und Zucker schaumig schlagen. Die weiche Butter mit dem braunen Zucker 2 bis 3 Minuten hell und cremig schlagen, dann Ei und Zitronenschale einrühren, bis alles verbunden ist. Genau dieser Schritt – nicht nur kurzes Verrühren – gibt dem fertigen Plätzchen seine kurze, sandige Krume statt einer festen.
- Den Teig zusammenfügen. Die Mehlmischung in zwei Portionen zur Buttermasse geben und auf niedriger Stufe oder mit dem Kochlöffel nur so lange verrühren, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist und der Teig zusammenhält. Sofort aufhören, sobald der Teig zusammenkommt: Wer länger knetet, entwickelt Gluten im Mehl, und die Plätzchen werden zäh statt knackig.
- Über Nacht kühlen. Den Teig zu zwei flachen Scheiben formen, jede fest in Folie wickeln und über Nacht, mindestens aber 8 Stunden, in den Kühlschrank legen. In dieser Zeit nimmt das Mehl die Flüssigkeit vollständig auf und die Gewürze ziehen in das Fett ein, sodass sich der Teig gleichmäßig ausrollen lässt, ohne zu reißen, und der Geschmack spürbar runder wird als bei Teig, der am selben Tag gebacken wird.
- Die Plätzchen formen. Mit einem Holzmodel: Das geschnitzte Model großzügig mit Mehl bestäuben, eine kleine Kugel kalten Teig mit den Daumen fest hineindrücken, bis jede Rille gefüllt ist, überschüssigen Teig mit einem Messer glatt abschneiden, dann das Model über das Blech kippen und kräftig auf die Arbeitsfläche klopfen, bis das Plätzchen herausfällt. Ohne Model: Den Teig auf einer leicht bemehlten Fläche 3 mm dünn ausrollen, einmal fest und gleichmäßig mit einer Spekulatiuswalze darüberfahren, dann die Motive mit einem kleinen Messer voneinander trennen, oder einfach mit einem gewöhnlichen Plätzchenausstecher Kreise oder Rechtecke ausstechen. Reste einmal neu verkneten und ausrollen; ein zweites Mal macht den Teig zäh.

- Die geformten Plätzchen ruhen lassen. Auf einem mit Backpapier belegten Blech im Abstand von 1 cm verteilen – sie laufen kaum auseinander – und das Blech für 15 bis 20 Minuten in den Kühlschrank stellen, während der Ofen vorheizt. Diese kurze zweite Kühlung verhindert, dass die dünnen, detaillierten Formen in den ersten Backminuten weich werden und ihr Muster verlieren.
- Backen und auskühlen lassen. Den Ofen auf 190°C Ober-/Unterhitze (170°C Umluft) vorheizen, die Plätzchen ganz dünn mit Milch bepinseln für einen leichten Glanz, und nacheinander pro Blech 9 bis 11 Minuten backen, bis die Ränder eine Nuance dunkler sind als die Mitte. Die letzten zwei Minuten genau beobachten, denn dünner Spekulatius wird schnell von goldbraun zu verbrannt, und erst beim Auskühlen auf dem Blech wird er richtig knusprig – wirkt eine Ladung direkt aus dem Ofen noch weich, ist sie deshalb nicht unfertig gebacken.

Fragen
Entweder ist der Teig zu warm, oder das Model wurde nicht ausreichend bemehlt. Die geschnitzte Seite des Models vor jedem einzelnen Abdruck großzügig mit Mehl oder Speisestärke bestäuben und alles abklopfen, was sich in den tiefsten Rillen sammelt, dann eine kleine, kalte Teigkugel mit den Daumen hineindrücken, bis jedes Detail gefüllt ist. Überschüssigen Teig mit der Rückseite eines Messers oder einem dünnen Draht glatt abschneiden, das Model über das Blech drehen und kräftig auf die Tischkante klopfen oder mit dem Stiel eines Kochlöffels dagegenschlagen, statt das Plätzchen herauszuhebeln. Löst es sich immer noch nicht, ist der Teig in den Händen warm geworden: das gefüllte Model 10 Minuten kühl stellen und erneut versuchen.
Gewürzspekulatius ist die klassische Variante und das, was die meisten unter dem Namen verstehen: ein fester, dunkler Mürbeteig auf Basis der Zimt-Nelken-Kardamom-Mischung, mit gemahlenen Mandeln für die kurze Krume. Butterspekulatius verzichtet weitgehend auf Gewürze und setzt stattdessen auf mehr Butter, wodurch das Plätzchen heller, milder und bröseliger wird, fast wie ein einfaches dänisches Buttergebäck in derselben geprägten Form. Mandelspekulatius liegt dazwischen: schwächer gewürzt als die Gewürz-Variante, mit Mandelmehl im Teig und oft einer Schicht gehobelter Mandeln auf der Unterseite, die beim Backen bräunt und auf der Rückseite des fertigen Plätzchens sichtbar bleibt. Alle drei kommen aus denselben Holzmodeln und derselben Tradition zum 6. Dezember; der Name auf der Packung sagt nur, wie viel Butter, Gewürz und Mandel jeweils drinsteckt. Auf dem Bunten Teller liegt Spekulatius neben Vanillekipferl und Zimtsternen, dazu passt eine Tasse Glühwein.
Ja, und die meisten Hobbybäcker machen genau das. Den gekühlten Teig zwischen zwei Bögen Backpapier 3 mm dünn ausrollen, bei Bedarf leicht mit Mehl bestäuben, dann mit einem beliebigen Plätzchenausstecher Formen ausstechen oder einfach mit dem Messer in Rechtecke schneiden, so wie manche Bäckereien Spekulatius auch ganz schlicht verkaufen. Verloren geht dabei nur das geprägte Motiv, nicht der Geschmack oder die Textur, denn die Gewürzmischung und die Mandeln machen den Spekulatius aus, nicht die Form obendrauf. Reste einmal neu zusammenkneten, ausrollen und weiter ausstechen; ein zweites Verkneten macht den Teig zäh, deshalb die allerletzten Reste lieber als etwas dickere, rustikale letzte Ladung backen.
Luftdicht in einer Blechdose bei Zimmertemperatur bleibt gebackener Spekulatius 4 bis 6 Wochen knusprig, und das Gewürzaroma wird in den ersten Tagen sogar noch intensiver. Bewahrt ihn getrennt von weichem Gebäck wie Lebkuchen oder Marzipankonfekt auf, sonst zieht der Spekulatius Feuchtigkeit und verliert innerhalb weniger Tage seine Knackigkeit. Roher Teig lässt sich als flache Scheibe bis zu 3 Monate einfrieren; über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen, denn bei Zimmertemperatur aufgetauter Teig wird fettig und lässt sich schlecht verarbeiten. Auch gebackene Plätzchen lassen sich einfrieren, mit Backpapier zwischen den Lagen in einer festen Dose, und brauchen vor dem Servieren nur 10 Minuten bei Zimmertemperatur.
Deutsche Supermärkte verkaufen im Herbst fertiges Spekulatiusgewürz in kleinen Papiertütchen bei den Backgewürzen, das funktioniert gut, wenn loser Kardamom oder weißer Pfeffer schwer zu bekommen sind. Selbst gemischt aus Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat, Ingwer, Piment und weißem Pfeffer riecht die Mischung frischer und klarer als die meisten fertigen Varianten, weil die Gewürze nicht monatelang schon gemahlen im Glas standen. Fehlt Kardamom im Haus, gleichen etwas mehr gemahlener Ingwer und eine zusätzliche Prise Zimt einen Großteil davon aus; weißer Pfeffer ist die Zutat, mit der niemand rechnet, aber er verhindert, dass die Mischung nur süß schmeckt, und eine Prise normaler schwarzer Pfeffer erfüllt denselben Zweck, falls das ist, was im Haus ist. Auf Anis, den manche zusätzlich verwenden, lieber verzichten: er verschiebt den Geschmack Richtung Lebkuchen statt Spekulatius.
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