
Zwetschgendatschi
Zwetschgendatschi, kurz auch Datschi oder anderswo in Deutschland Zwetschgenkuchen genannt, ist ein bayerischer Blechkuchen aus dünnem Hefeteig, der randvoll mit halbierten Zwetschgen belegt wird, den kleinen, ovalen, dunkelvioletten Pflaumen, die von August bis Oktober reifen. Augsburg beansprucht den Kuchen als eigene Erfindung, und seine Bewohner heißen bis heute Datschiburger, auch weil die aufgefächerten Zwetschgenhälften an die Zirbelnuss im Stadtwappen erinnern sollen. Der Teig bleibt dünn und nur leicht gesüßt, damit die Frucht den Ton angibt: säuerliche Haut gegen weiches, mariges Fruchtfleisch, dazu Zimtzucker oder Butterstreusel. Sobald die Zwetschgensaison endet, verschwindet er aus den Auslagen der Bäckereien und taucht im Herbst pünktlich zum Erntedankfest im Oktober wieder auf.
Zutaten
- 400 gMehl
- 200 mlMilch
- 7 gTrockenhefe
- 50 gZucker
- 80 gButter
- 1 Ei
- 0.5 TLSalz
- 1300 gZwetschgen
- 20 gZucker
- 1 TLZimt
- 150 gMehl
- 80 gZucker
- 100 gButter
- 1 TLVanilleextrakt
- 1 PriseZimt
- 200 mlSahne
Zubereitung
- Teig zubereiten. Erwärme die Milch, bis sie sich handwarm anfühlt, nicht heiß, und rühre die Hefe mit einer Prise vom Zucker ein; bei Instanthefe mischst du sie stattdessen direkt unter das Mehl. Vermenge Mehl, restlichen Zucker und Salz in einer großen Schüssel, gib die Milch-Hefe-Mischung, das Ei und die weiche Butter dazu und knete alles 8 bis 10 Minuten von Hand oder mit dem Knethaken. Der Teig ist fertig, wenn er glatt und leicht glänzend ist und sich sauber vom Schüsselrand löst; wirkt er nach 10 Minuten noch krümelig, knete einen weiteren Esslöffel Milch unter.
- Teig gehen lassen und ausrollen. Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch ab und stelle sie 45 bis 60 Minuten an einen warmen Ort, bis der Teig sichtbar aufgegangen ist und sich beim Fingertest langsam zurückdrückt. Gib ihn auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech (etwa 30x40 cm) und ziehe ihn mit bemehlten Fingern gleichmäßig bis in die Ecken, mit einem leicht erhöhten Rand, der später Fruchtsaft auffängt.

- Zwetschgen vorbereiten. Wasche die Zwetschgen, halbiere sie und drehe die Steine heraus. Schneide jede Hälfte mit der Schnittfläche nach oben längs fast bis zum Ende ein, ohne sie ganz zu trennen, und drücke sie leicht auseinander, sodass sie sich wie eine kleine Ziehharmonika öffnet. Zwetschgen sind dafür die richtige Wahl: Ihr festes Fruchtfleisch löst sich sauber vom Stein und gibt beim Backen deutlich weniger Saft ab als runde Pflaumensorten, die schnell zu Brei zerfallen.

- Teig mit Obst belegen. Verteile die Zwetschgenhälften mit der Haut nach unten dachziegelartig und dicht an dicht über die gesamte Fläche, sodass kaum Teig sichtbar bleibt. Bestreue alles gleichmäßig mit Zucker und Zimt. Die dichte Anordnung ist wichtig: Die Früchte schrumpfen beim Backen, und Lücken trocknen aus und verbrennen, bevor die Mitte des Kuchens fertig ist.

- Streusel zubereiten, falls gewünscht. Verreibe Mehl, Zucker, weiche Butter, Vanilleextrakt und Zimt mit den Fingerspitzen zu groben, erbsengroßen Streuseln, ohne sie zu einer Paste zu kneten. Verteile sie gleichmäßig über den Zwetschgen. Sie sind optional, leisten aber echte Arbeit: Sie saugen den Saft auf, den die Früchte beim Backen abgeben, und halten so den Teig darunter trocken.
- Backen. Heize den Ofen auf 190 °C Ober-/Unterhitze (170 °C Umluft) vor, während der Teig seine erste Gehzeit beendet, falls noch nicht geschehen. Backe das Blech in der Ofenmitte 30 bis 35 Minuten, bis der sichtbare Teigrand tief goldbraun ist und der Zwetschgensaft rund um die Streusel leise blubbert.
- Abkühlen und servieren. Lass den Kuchen mindestens 15 Minuten auf dem Blech abkühlen, bevor du ihn in 12 Stücke schneidest; er festigt sich beim Abkühlen, und zu frühes Schneiden lässt den warmen Fruchtsaft überall auslaufen. Serviere ihn warm oder zimmerwarm mit einem Klecks leicht geschlagener Sahne.
Fragen
Zwetschgen sind eine eigene Pflaumenart (Prunus domestica subsp. domestica), klein, oval und dunkel blauviolett, mit einer deutlichen Naht an einer Seite. Ihr Fruchtfleisch ist fest, wenig saftig und löst sich sauber vom Stein, genau deshalb verlangt das Rezept explizit nach Zwetschgen und nicht nach irgendwelchen Pflaumen. Runde Sorten wie Reneklode oder Mirabelle haften oft am Stein und sind deutlich saftiger, dadurch werden sie im Ofen weich und wässrig und weichen den Teig auf, statt obenauf zu bleiben. Zwetschgen werden im Handel manchmal auch als Hauszwetschgen bezeichnet, das ist dieselbe Frucht. Die verwandte Kriecherl-Pflaume funktioniert als Ersatz, schmeckt aber etwas säuerlicher und ist kleiner.
Ja, aber lass sie vorher gut abtropfen. Taue die Zwetschgen mindestens 30 Minuten in einem Sieb über einer Schüssel vollständig auf und drücke sie sanft aus, damit die Flüssigkeit entweicht, die das Einfrieren aus den Zellen presst. Tupfe sie mit einem Küchentuch trocken, bevor du sie auf den Teig legst, sonst sammelt sich der Saft unter der Frucht und macht den Boden speckig. Tiefgekühlte Zwetschgen fallen im Ofen auch schneller zusammen als frische, deshalb den Kuchen schon nach 20 Minuten prüfen statt die vollen 25 bis 30 Minuten abzuwarten. Frische Zwetschgen im Spätsommer geben immer einen festeren Biss, aber tiefgekühlte bringen dir den Kuchen auch mitten im Winter auf den Tisch.
Die häufigste Ursache ist eine übersprungene zweite Gehzeit: Geht der Teig noch dicht und ungegangen in den Ofen, kann er unter 1,3 kg saftigem Obst nicht gleichmäßig durchbacken. Lass den geformten Teig volle 45 bis 60 Minuten an einem warmen Ort gehen, bis er sichtbar aufgebläht wirkt, bevor du überhaupt die Zwetschgen schneidest. Der zweite Grund ist zu viel Fruchtsaft ohne Abfluss: Eine Schicht Butterstreusel hilft hier tatsächlich, weil sie den austretenden Saft aufsaugt und bindet, statt ihn in den Teig laufen zu lassen. Auch das Backen auf der mittleren statt der unteren Schiene und ein voll auf 200 °C vorgeheizter Ofen spielen eine größere Rolle, als man denkt, denn ein zu kühler Ofen lässt den Boden zu langsam stocken. Bleibt es trotzdem feucht, rolle den Teig beim nächsten Mal in der Mitte etwa 1 cm dick statt hauchdünn.
Die ursprüngliche Augsburger Version, seit dem 18. Jahrhundert belegt, ist ein einfacher Mürbeteigboden, nur mit den Zwetschgen belegt, ganz ohne Streusel. Heute geben die meisten Bäckereien und Hobbybäcker einen Butterstreusel aus Butter, Mehl, Zucker und Vanille dazu, weshalb diese Version inzwischen als die klassische gilt. Streusel machen mehr als nur knusprig: Sie saugen den Saft auf, den besonders reife, saftige Zwetschgen im Ofen abgeben, deshalb greifen viele gerade bei saftigem Obst zu Streuseln. Lässt du sie weg, bestreue den fertigen Kuchen direkt nach dem Backen mit Vanillezucker, solange die Oberfläche noch warm genug ist, damit der Zucker haften bleibt.
Bei Zimmertemperatur, locker abgedeckt, bleibt er etwa 2 Tage gut, danach trocknet die Krume aus und die Frucht beginnt stärker zu weinen. Im Kühlschrank, eingepackt, hält er sich bis zu 4 Tage, wobei der Boden durch die Feuchtigkeit der Zwetschgen weicher wird. Für längere Lagerung frierst du einzelne Stücke, einzeln in Folie gewickelt, bis zu 2 Monate ein, taust sie dann etwa eine Stunde bei Zimmertemperatur auf und wärmst sie kurz bei 160 °C, um die Ränder wieder etwas knusprig zu bekommen. Die Mikrowelle verträgt er schlecht, sie macht den Hefeteig eher gummiartig als zart.
Bewerten
Rezepte per E-Mail
Ein Brief pro Woche: ein Rezept nach Ihrem Geschmack und alles Neue auf der Seite. Abmelden mit einem Klick.
Als Geschenk: Sergeis Kochbuch (E-Book).
Mit der Anmeldung akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung.
Verraten Sie uns, was Sie gern kochen (30 Sekunden) →Weiter stöbern
Weitere Gerichte aus dem Archiv — ausgewählt nach Überschneidung mit dem, was du gerade kochst.



An der Diskussion teilnehmen
Kommentare
Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste!